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7. Juni – 8. August 2019

Eröffnung
Donnerstag, 6. Juni 2019, 18 Uhr

Pressetermin
Donnerstag, 6. Juni 2019, 11 Uhr

Künstlergespräch
Donnerstag, der 13. Juni, 18 Uhr
Mit Rüdiger Frauenhoffer und Oliver Ross
Moderation: Peter Heidenwag

Führungen
Samstag, 15. Juni, 16 Uhr
Mittwoch, 7. August, 18 Uhr

Finissage
Donnerstag. 8. August, 18 Uhr

Die Galerie bleibt vom 12.07-04.08.2019 wegen Sommerpause geschlossen.


Im Rahmen der Ausstellungsreihe BELLEALLIANCE, die sich hier im lebendigen Stadtteil im Schanzenviertel dem Thema zwischenmenschlicher Verbindungen und Bündnisse widmet, und nach der ersten Ausstellung mit dem ersten Künstlerduo Silke Marohn & Youssef Tabti mit ihrem Projekt WATERLOO kommen wir zur zweiten Ausstellung BELLEALLIANCE #2 mit dem Titel GESCHICHTENINNENWELTUMGEBUNGSHYPOTHESENBAUNETZWERKAPPARATUS.

Wie auch beim ersten Künstlerduo sehen Sie hier das Ergebnis eines wechselseitig bezugnehmenden Prozesses der beiden Künstler Oliver Ross und Rüdiger Frauenhoffer über die vergangenen 4 Wochen, der während der Ausstellungzeit fortgeführt wird.
Mit ihrem Projekt spannen die Künstler ein Aufmerksamkeitsnetz auf, das sich mit den Themen Innen und Außen, Form und Fiktion, Raum und Umgebung sowie darin stattfindender Bewegung, Erweiterung, Filterung und narrativer Vernetzung auseinandersetzt.

Wo ist innen, wo außen, und wo – wenn überhaupt – deren Grenze(n)? Spielt sich im Innern des einen tatsächlich etwas anderes ab als im Innern des anderen? Oder entspricht das Äußere des einen überhaupt dem Inneren des anderen? Sind wir hier im Moment gerade drinnen oder gehen wir heute einfach nur aus? Und wie verlaufen dabei die Kommunikationsstränge: Von beiden oder allen Seiten aus und vice versa? Wie durch eine Membran nur in eine Richtung? Entgegengesetzt und aneinander vorbei oder per Doppelpass zum Ziel?

Oliver Ross und Rüdiger Frauenhoffer widmen sich diesen Fragen aktiv mit ihrem Apparatus, der – wie der Name schon sagt – über den Bau von Geschichten den Austausch von Innenwelten und Umgebungen über Netzwerke hypothetisch ermöglicht. Oder eher den hypothetischen Bau von Netzwerken aus Geschichten zu Innenwelten und Umgebungen? Wohl aber den Abgleich von Innen- und Außenwelten über den Bau von Netzwerken zu hypothetischen Geschichten.

Wie auch immer, der Appartus sprengt in jedem Falle vermeintliche Grenzen. Was nämlich des einen Außen ist, ist des anderen Innen: Während Oliver Ross gerne interne Vernetzungsgefüge, deren Kanäle und wechselseitige Wirkungsweisen mit dem Außen untersucht, widmet sich Rüdiger Frauenhoffer dem prozessualen Austausch mit Kommentaren von außen zu seinen Geschichtsarchitekturen, -wegen und -gängen in Form multimedialer Einflüsse von Künstlerkollegen, Interessierten, Besuchern, Gewerken, Agenturen oder sonstigen Akteuren aus dem nachbarschaftlichen Umfeld, deren Charaktere und Namen er zuvor in seinen Geschichten zu neuen Figuren kombiniert.

Doch zunächst zu Oliver Ross und wie er über seine Kunst selbst schreibt:
„Aus dem rossologischen Labor kommt transparente Hinterglasmalerei, deren üppige Farbigkeit durch Lichtsimulation prozesshaft wird. Vieles kommt in ihnen zusammen und versucht sich an Schnittkanten zu verbinden, bildet dabei immer neue organisch-ornamentale Formen, die sich drängend weiterentwickeln, ein steter Strom vitaler Substanz: Vielheit des Übergangs mit Details lokaler Reduktion. Bilder in Bildern. Raum und Zeit spielen dabei eine wichtige Rolle: Zum einen kapselt sich da etwas ab, konzentriert sich verdichtend zum eigenartigen Korpus, um dann wieder in seine Umgebung diffus auszustrahlen. Was aus dem allgemeinen Raum-Zeit-Kontinuum kommt, will dahin auch wieder zurück: Adapter-Kunst im Environment.“

Rüdiger Frauenhoffer verbindet andererseits in seinen illustrierten Geschichten persönliche Beziehungen und neue Kontaktaufnahmen, Protagonisten aus der Boulevardpresse sowie mediale Ereignisse in verschiedenen, miteinander verwobenen Erzählsträngen und Architekturen in Abhängigkeit von den auszustellenden Räumlichkeiten. Er lädt die in seinen Geschichten auftretenden Akteure ein, ihren Auftritt in seinen Geschichten zu kommentieren. Deren Stellungnahmen, Verweise, Werbungen oder multimediale Werke werden zunehmend im prozessual angelegten Ausstellungverlauf bei den Führungen, Künstlergesprächen sowie zur Finissage sichtbar.

Da sich die Ausstellung wie die Ausstellungsreihe selbst dem Thema zwischenmenschlicher Verbindungen und Bündnisse widmet, wird auch ihr hier dieses Themenfeld – so wie das der vorrangegangenen Ausstellung Krieg und der daraus resultierenden, vielen spannenden Gespräche und Diskussionen – in den aktuellen Kontext gesetzt.
Auf welche weiteren Themen lassen sich die angesprochenen Themen heute hier in Bezug setzen oder anwenden? Unter welchen Gesichtspunkten lässt sich die Ausstellung betrachten? Wie fest sind also unsere Grenzen, wenn es ein nächstes Mal vielleicht darum geht, am Inneren des Anderen anzuknüpfen? Ich finde, alle aktuellen Themen, mit denen wir hier konfrontiert werden, lohnen sich zu hinterfragen.

Um herauszufinden, wie das Künstlerduo im Einzelnen mit diesen Fragen umgegangen ist bzw. noch umgehen wird, sind Sie herzllich eingeladen diesen Donnerstag (13.Juni) um 18 Uhr zum Künstlergespräch, zu einer der Führungen oder zur Finissage, zu kommen.

Text: Peter Heidenwag

 

english version


June 7 – August 8, 2019

Opening
Thursday, June 6, 2019, 6 p.m.

Press event
Thursday, June 6, 2019, 11 a.m.

Discussion with the artists
Thursday, June 13, 2019, 6 p.m.
with Rüdiger Frauenhoffer and Oliver Ross
moderated by Peter Heidenwag

Tours
Saturday, June 15, 2019, 4 p.m.
Wednesday, August 7, 2019, 6 p.m.

Finissage
Thursday, August 8, 2019, 6 p.m.

The gallery will be closed for the summer break from July 12 to August 4, 2019.


The BELLEALLIANCE exhibition series is designed to address the topic of interpersonal relationships and alliances and is set against the backdrop of the lively Schanzenviertel district of Hamburg. After the first exhibition with the first set of artists, Silke Marohn and Youssef Tabti, and their project entitled WATERLOO, the time has now come for the second exhibition in the BELLEALLIANCE #2 series: GESCHICHTENINNENWELTUMGEBUNGSHYPOTHESENBAUNETZWERKAPPARATUS [STORIESINNERWORLDENVIRONMENTHYPOTHESISCONSTRUCTIONNETWORKAPPARATUS].

As with the first artist duo, we can see here the result of a process in which the next set of artists, Oliver Ross and Rüdiger Frauenhoffer, have referenced one another over the past four weeks, and will continue to do so for the duration of the exhibition.

Both artists use their project to cast a net of attention, so to speak, and deal with the topics of interior and exterior, form and fiction, space and the surroundings as well as the movement, expansion, filtering and narrative networking taking place within these areas.

Where is inside, and where is outside? And where, if at all, are the border(s) running between the two? Is there really something different happening inside the one than inside the other? Or does the exterior of one correspond at all to the interior of the other? Are we inside right now or are we just going out today? And where do the lines of communication run: from both or all sides, or vice versa? As if through a membrane and only in one direction? Opposite and past each other or via a one-two to the home team’s goal?

Oliver Ross and Rüdiger Frauenhoffer actively address these questions with their apparatus, which—as the name suggests—hypothetically enables the exchange of inner worlds and environments via networks through the construction of stories. Or maybe the hypothetical construction of networks from stories to inner worlds and environments? Or even the comparison of inner and outer worlds via the construction of networks to hypothetical stories.

Whatever the case may be, the apparatus always breaks down supposed boundaries. What the outside of one is, is the inside of the other.

Oliver Ross likes to examine internal networking structures, their channels, and reciprocal mechanisms with the outside world, whereas Rüdiger Frauenhoffer devotes himself to the procedural exchange with external comments on his historical architectures in the form of multimedia influences from fellow artists, interested parties, visitors, trades, agencies, or other actors, including those from the neighborhood, whose characters and names he has previously combined with those of actors from the tabloid press to create new figures in his stories. 

But first to Oliver Ross and how he writes about his art itself:
"From the Rossological lab come transparent reverse glass paintings, whose lush colorfulness becomes procedural through light simulation. Many things come together in them that attempt to connect at cutting edges, forming ever new organic-ornamental forms that develop urgently—a constant stream of vital substance: multiplicity of transition with details of local reduction: pictures in pictures. Space and time play an important role in this: on the one hand, something encapsulates itself, concentrating on its peculiarity, only to radiate diffusely into its surroundings again: What comes from the general space-time continuum also wants to return there: art of the environment."

Rüdiger Frauenhoffer combines personal relationships and newly established contacts, characters from the tabloid press, and media events in his illustrated stories into various interwoven narrative strands and architectures depending on the space where the exhibition is held. He invites the protagonists appearing in his stories to comment on their occurrence in his stories. Their statements, references, advertisements, or multimedia works increasingly become visible during the guided tours, discussions with the artists, and finissage in the procedural course of the exhibition.

Since the exhibition, like the whole series itself, is dedicated to interpersonal connections and alliances, this thematic field—like that of the previous exhibition entitled “War” and the many exciting conversations and discussions that resulted from it—is also placed in its current context here.

What other topics can be referenced or applied to now using the topics addressed here? From which perspectives can the exhibition be viewed? How solid are our borders when we need to link the interior of the other next time? I think it’s worth investigating all the current topics we’re confronted with here.

If you want to find out how the artist duo has dealt or will deal with these issues in detail, you can come this week to the artist talk on Thursday (13th of June) at 6 p.m., to one of the guided tours or to the finissage.

Text: Peter Heidenwag