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Die schematische Visualisierung von Welt ist im Informationszeitalter ein beliebtes Mittel, Wandlungsprozesse einer globalen Gesellschaft darzustellen. Aber wie kann Bewegung und Transformation festgehalten werden, wenn sie nicht sichtbar, greifbar ist?

In den menschengroßen Installationen „Amorphes Netzwerk I und II (2013)“ verknüpft der Künstler frei hängende bewegliche Körper aus Draht und Latex miteinander. Ohne Gestalt bezeichnet man amorphe Materialien in der Chemie, die keine geordneten Strukturen bilden, aber in Beziehung zueinander existieren. Die Kunstwerke sind Mobiles, bei denen sich die einzelnen Teile zueinander bewegen. So schrieb Alexander Calder beispielsweise über diese Form der kinetischen Kunst:

„Warum nicht plastische Formen in Bewegung? Nicht einfach übersetzte oder rotierende Bewegung, sondern verschiedene Bewegungen von unterschiedlicher Art, Geschwindigkeit und Reichweite untereinander kombiniert, ergeben ein Ganzes.” [1]

Form, Raum und Bewegung, die Vielfältigkeit des Mobiles, ergibt das Ganze. Maukel setzt sich intensiv mit einer systemischen Betrachtung von Welt auseinander. Eingesetztes Material wird zunächst erforscht und dann als Kommunikationsträger eingesetzt, der Form und Bewegung im Raum suggeriert.

Das Arbeiten mit beweglichen Materialien wie Draht, Latex oder Glasgewebe ist für den Künstler entscheidend. Ausgangspunkt seines Schaffens ist die Verknüpfung von Modulen und Objekten. In den Installationen dekonstruiert Maukel erkennbare Zeichen und entwickelt mithilfe von Materialsystemen Netzwerke, die miteinander in Kommunikation treten, um das Nichtsichtbare plastisch einzukreisen. Seine Ausdrucksform ist eine Form der Annäherung, etwas bestimmbar zu gestalten. Die Formensprache ist ein Werkzeug, eine Konstruktion, die es ermöglicht, Dinge zu definieren oder einzuordnen. Genauso wie der Naturwissenschaftler Karl-Heinz Foerster begründet, dass die Realität eine Konstruktion unserer selbst ist, weil sie sich auf das bezieht, was wir wahrnehmen.

Der »Netzwerktornado«, eine sich stets verändernde Arbeit von Karl-Heinz Maukel, ist eine hängende Spiralkonstruktion aus ineinander verwobenen bunten Drahtkreisen und dünnen Metallfäden. Jeder dieser Kreise ist verbunden mit einem anderen und ein tragender Bestandteil eines rhizomatischen Systems. Es gibt keinen Anfang und kein Ende, jeder Kreis ist ein Modul, das andere Formen und Module aufgreift. Die Drähte sind Symbole der Anspannung, die sich dehnen oder zusammenfalten und sich mit anderen Modulen verbinden. Abhängig von der Größe des Raumes und der Objekte im Raum bewegt sich der »Tornado« mal horizontal, mal vertikal. Ein System, das Elemente erzeugt, aus denen es besteht, durch die Beziehungen der einzelnen Elemente zueinander, ähnlich wie bei einem autopoietischen System, das operativ geschlossen, aber in seiner Wahrnehmung offen und veränderbar ist

Kerstin Niemann

 

Karl-Heinz Maukels künstlerische Praxis ist wie eine systemische Betrachtung der Welt, der Kunst innerhalb ihres Systems und der Gesellschaft. Die Konfrontation und Integration der eigenen Vernetzungen und Verknüpfungen innerhalb der politischen und medialen Welt, ist ihm dabei ein großes Anliegen. Die kontinuierliche Betrachtung dieser Einflüsse in seine künstlerische Arbeit vertieft sein Wissen und Verständnis zu den komplexen Konstellationen und Beziehungen, die er mit seinen Arbeiten visualisiert.

Corinna Koch

[1] Zitiert nach Jacob Baal-Teshuva: Alexander Calder 1898–1976. Verlag Taschen ISBN 3-8228-7915-0, 2002.