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Der konzeptuelle Ansatz von Maksim Boksgorn wird unter anderem in der Unterteilung seines Werkes in Listen und Kategorien deutlich. Der Künstler schreibt Namen von Synchronsprechern und biographische und filmographische Details zu Ihnen in Handschrift untereinander auf kariertem Papier. Ein Prinzip der Reihenfolge, welcher Name an welcher Stelle gelistet wird, wie zum Beispiel nach dem Alphabet, existiert nicht. Dennoch sind einige Arbeiten nach bestimmten Ordnungsprinzipien in der Titelzeile geordnet. Eine Kategorie ist zum Beispiel „Death of Villains“. Hier listet er die Namen von deutschen Synchronsprechern auf, die fiese Charaktere in den verschiedensten Filmen nachsprechen. In einer anderen Arbeit ist „Ice Age 4: Contintal Drift“ die Ordnungsgröße. In der Liste stehen die Namen der Synchronsprecher gefolgt von deren Körpergröße und Anmerkung zum Film in der gleichen Zeile.

Ob Alphanumerisch (Jahreszahl des Films, Film, Name des Sprechers) oder reine Namenslisten von Synchronsprechern oder Schauspielern, in seinen Werken erhält jeder Akteur seine eigene Zeile, wie bei einem Filmabspann. Die Namen sind akribisch untereinander gesetzt, jeder Name beginnt am gleichen Punkt nur eine Zeile niedriger, wie der vorherige, der Rest des Blockpapiers, was nicht beschrieben ist, bleibt weiß. Ähnlich sorgfältig arbeitete die Konzeptkünstlerin Hanne Darboven, die beispielsweise das Abschreiben von Gedichten nach eigenen Indices ordnete.

Einige seiner Listenarbeiten sind auf Kyrillisch. Boksgorn kam als kleines Kind von Kasastan nach Deutschland und wuchs zweisprachig auf. Das Schreiben und Lesen kyrillischer Schrift hat er sich selber beigebracht.

Bei seinen Recherchen ist der Künstler inspiriert von den Zuordnungen der Stimmen zu den Charakteren in den Filmen. So existiert eine Vielzahl von Werken als Listen, Ordnungssysteme oder Rangfolgen, deren Informationen vor allem aus Datenbanken stammen. Es gibt Tage, an denen er nur filmographische Informationen zu Synchronsprechern in speziellen Datenbanken recherchiert, wie zum Beispiel der Deutschen Synchronsprecherdatei.

Die Besonderheit in Deutschland ist, dass fast alle fremdsprachigen Filme synchronisiert werden, anders als in den Niederlanden, wo man vorwiegend mit Untertitel arbeitet. Verschiedene ausländische Schauspieler haben eine deutsche Standardstimme, so zum Beispiel Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis oder Jack Lemmon, um den Wiedererkennungswert im Fernsehen zu fördern. Es gibt Filme, die Boksgorn aufzählen kann bei denen die Stimme falsch ist. Er ist Experte auf diesem Gebiet, spricht Szenen nach oder interpretiert die Stimmen der Synchronsprecher. Boksgorns Recherchen basieren jedoch vorwiegend die Besetzung westlicher Filme aus dem US-amerikanischen Raum der letzten drei Jahrzehnten.

Für Maksim Boksgorn ist das Kopieren und Adaptieren ein weiteres künstlerisches Mittel neben seinen konzeptuellen Listenarbeiten. In einer Serie von Arbeiten widmet er sich dem Nachzeichnen von Filmszenen. Wie in einem Comic zeichnet er die Silhouetten der Charaktere aus Cartoons oder Filmen nach. Seine Zeichnungen gleichen Filmstils, geben einen Bewegungsmoment oder eine Schlüsselszene wieder. Allerdings sind nur gezeichnete Silhouetten zu erkennen, vorwiegend schwarz/weiß, in denen besonders die Gestik und Mimik der Charaktere vom Künstler betont wird. Die Figuren der nachgezeichneten Szenen sind teilweise Fantasiewesen, die für die Szene adaptiert oder hinzugedacht wurden. Er zeichnet eine Szene mehrmals, zum Beispiel mit unterschiedlichen Figuren und aus verschiedenen Perspektiven. Gewaltszenen oder Gefahrenmomente sind keine Seltenheit. Jedoch wirken die aus Ihrem Kontext gelösten Figuren und Objekte schwerelos, fast sinnentleert. Der Künstler schafft es, einen Konflikt auf neutralem Boden zu skizzieren und ihn in seiner Bewegung und Anordnung festzuhalten und diesem trotzdem seine Emotionalität zu entziehen. 

Boksgorns Arbeiten gleichen einer methodischen Übung, eine Art der Abstraktion von Zeichen, die sich über die Visualisierung erhebt und Bilder minimal reduziert. Er spielt dabei mit den Verknüpfungen von Signifikanten und Signifikat, also der Relation eines Ausdrucks (Signifikant - das Bezeichnende) und seines Inhaltselement (Signifikat - Bezeichnete). Durch seine Reduktion und Abstraktion bricht er mit den Verknüpfungen kognitiver Repräsentation und schafft Raum, um neue Verbindungen von Inhalten und Elementen herzustellen. Das neueste Projekt des Künstlers ist das Schreiben eines Drehbuches – sein Wunsch ist es selber Regie zu führen.

Kerstin Niemann



english version

The conceptual approach Maksim Boksgorn uses is revealed, for instance, by the subdivision of his work into lists and categories. The artist writes, by hand, the names, bios and filmographic details, etc. of voiceover artists on squared paper. There is no systematic order, such as alphabetical, denoting which name should appear where. Yet in some works the ordering principle is clear from the title. One such category is the “Death of Villains” where he lists the names of German voiceover actors who dub evil characters in various films. In another work, Ice Age 4: Continental Drift, the names of voiceover artists are listed followed by their heights and remarks on the film in the same line.

Whether they appear alphanumerically (film year, film, name of voiceover actor) or just as a list of names of voiceover artists or actors, every actor has their own line reminiscent of film credits. The names are placed with painstaking care, one above the other, with each name beginning at the same point just one line below, the remaining, unwritten page is left white. The conceptual artist Hanne Darboven works in a similarly precise way, such as when she transcribes poems according to her own indices.

Some of his list works are in Cyrillic script. Boksgorn came from Kazakhstan to Germany as a small boy and was raised bilingually. He taught himself how to read and write Cyrillic script.

The artist is inspired by the allocation of voices to the film characters in his research. Hence, many works take the form of lists, ordering systems or rankings derived primarily from databases. Some days are spent researching only filmographic information on voiceover artists in special databases, such as the Deutsche Synchronkartei (German voiceover database).

In Germany, almost all films are dubbed, other countries such as Holland use subtitles. Many international actors, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis and Jack Lemmon for example, have the same German voiceover actor every time in films and television to further universal recognition. Boksgorn can list films where the wrong voice has been used. He is an expert in this field; he can repeat scenes or perform the voice of the dubbing actor. Boksgorn’s research however, is largely based upon US American films of the last thirty years.

Alongside his conceptual list work, Maksim Boksgorn also draws on copying and adaptation for creative inspiration. In one series of works, he devotes himself to remaking film scenes. Here, he redraws silhouettes of characters or scenes from cartoons or films. His drawings resemble film stills; they capture one movement or a key scene. Only a drawn silhouette can be made out, however, mainly black and white, in which the artist has particularly emphasized the characters’ gestures and facial expressions. The figures are in part pure fantasy, adapted or invented for the scene. He draws each scene repeatedly, with different figures from different perspectives, for instance. Violent or dangerous scenes are not uncommon. Removed from their context, however, the figures and objects appear weightless, almost bereft of meaning. The artist manages to sketch a conflict on neutral ground and to capture its movement and formation, yet leaving it devoid of emotion.

Boksgorn’s works are like a methodical exercise, a sort of abstract reduction of symbols; one which rises above visualization and reduces images. Here, he is playing with the connections of signifier and signified, that is, the relationship between an expression (signifier) and its content (signified). Through reduction and abstraction, he departs from cognitive representation, enabling a space where new connections between content and element can be formed. For his latest project, the artist is writing a screenplay – his desire is to direct it himself.

Kerstin Niemann