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Manuela Koch zeichnet eine Welt, die wie in farbige, rechtwinklige Kacheln zerlegt erscheint. Ihre alles überziehenden Bildkacheln erinnern an ein Raster, das die Wiedergabe von Bildern heute mitbestimmt: das Raster digitaler Pixel, auf das fast jede Darstellung heute aufbaut, jedes Foto, jedes Video, jeder Printout, jeder Scan usw. Die Repräsentation unserer Umgebung im Bild ist also tatsächlich eine Sache von Bildkacheln.

Die Künstlerin nutzt ein Raster, um visuelle Ordnung zu schaffen und eine grundlegende Struktur zu etablieren. Das ist praktisch, weil es Übersicht schafft, wie auf den karierten Bögen eines Rechenhefts. Andererseits aber macht es Probleme, wenn die komplexen Formen ihrer Motive die Geometrie durcheinanderbringen. Dann darf das Raster aber auch einfach mal in den Hintergrund treten, wie eine gemusterte Tischdecke, und Linien treten in den Vordergrund. Sie zeigen dann beispielsweise „Straßenlampen“ (2013), aus präzise gezeichneten Elementen in leuchtend kontrastierenden Primärfarben zusammengesetzt, als stammten sie aus der 80er-Jahre-Designschmiede Memphis.

Auch die komplexen Luft- und Wasserfahrzeuge und -bauten in U-Boot am See und Erde (2015) entwickeln ihr eigenes Formenvokabular, aus Kreisen, Bögen und Herzen. Sie verfügen zudem über Fenster, aus denen es gelb und rot leuchtet, und verweisen damit auf ein Innenleben dieser traumhaften Gebilde, deren innere Pracht zwar nach außen leuchtet, dem Betrachter aber verborgen bleibt. Nicht zuletzt durch diese Andeutung löst sich die strikte Kachelstruktur auf. Die Künstlerin hat lediglich ein Netz über alles geworfen, um es aufzuteilen, zu erfassen und auf diese Weise Transparenz zu erzeugen. Jede Kachel ist ein Container und enthält einen kleinen Teil Welt.

Und die Welt lässt sich wiederum aus lauter kleinen Containern zusammensetzen, wenn auch nicht immer fugenlos. In ihren kleinteiligen, obsessiv ausgefüllten Zeichnungen verhandelt Manuela Koch nicht nur die Berührungen und Übergänge von formaler Strenge und freier Form von äußerer und innerer Welt, sondern reflektiert grundsätzliche Fragen von Abstraktion: Wo fängt etwas an, wo hört es auf? Wie entsteht in der Aufteilung der Welt Bedeutung? Indem sie der Frage nachgeht, wie weit sich das Raster, das Netz oder die Kachelstruktur dehnen lassen, ordnet sie nicht nur ihre Welt, sondern erinnert auch den Betrachter an die Strukturen, die er seiner eigenen Welt gibt.

Andreas Schlaegel


English version

The world as painted by Manuela Koch is a maze of colorful rectangular tiles. Her large-scale grids of picture tiles seem to echo a pattern familiar from modern visual elements – the grid of digital pixels that every photograph, video, print-out, scan, etc. can be reduced to. Thus, the visual representation of our modern world really is made up of small virtual tiles.

Koch uses this grid to create visual order and establish a basic structure. Such grids can be useful, as we might recall from exercise books used for math back at school. But it can also cause problems when the complex forms of the motifs are at odds with the geometry. Then, however, the grid simply fades into the background rather like a tablecloth, and lets the lines come into focus, such as in paintings such as Straßenlampen (2013), whose finely drawn elements are composed of a glowing mesh of primary colors, as bright and beautiful as if they had proceeded from cult 80s design collective the Memphis Group.

The complex air-borne and water-borne vehicles and constructions that populate U-Boot am See und Erde (2015) display an idiosyncratic vocabulary of circles, arches and hearts. Equipped with windows that emanate red and yellow, this dreamlike painting suggests an inner life whose splendors shine from within but remain forever beyond the reach of the beholder. Perhaps this suggestion is the point at which the formal grid structure dissolves. The artist has simply thrown a net over everything in order to divide it up, to grasp or elucidate it. Every picture tile is like a little box, containing its own little world.

Putting the world of little boxes back together is possible, but the joints between the individual elements may not always be smooth. What Koch essentially debates in her obsessively compartmentalized, colored-in drawings are the overlaps or transitions between formal rigor and free form and between outer and inner worlds, as well as basic questions of abstraction: Where does something begin, and where does it end? How is meaning created in a compartmentalized world? In pursuing the question of how far the grid, net or tile pattern can be expanded, she not only orders her own world, but reminds the beholders of the structures they give to theirs.

Andreas Schlaegel