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Die Bauzeichnerin und Architektin Silke Marohn, die sich in den letzten Jahren mit Malerei beschäftigt, verbindet Installation und Präsentationsfläche zu irritierenden Raumsituationen. Die ambivalent wirkenden Orte schwanken zwischen imaginärem Dekor eines vermeintlichen Raums und bildhauerischer, begehbarer Skulptur. Unter Verwendung verschiedenster Materialien integriert Silke Marohn einzelne Objekte modulartig in ihre Szenerien und hinterfragt die Funktionalität, Anwendung und den Ausstellungsort von Kunst.
Peter Heidenwag


Andreas Schlaegel schreibt zur Ausstellung Back In Town im Kunsthaus Hamburg über die Arbeit von Silke Marohn: Die ehemalige Bauzeichnerin und Architektin hat aus Styropor eine bunte, psychedelisch eingefärbte, begehbare Korridor-Skulptur gebaut, die nicht nur in ihrer leuchtenden Farbigkeit an die legendäre Wohnhöhle Visiona (1972) des dänischen Designers Verner Panton erinnert, eine multifunktionale Inneneinrichtung, die mit modularen Elementen Innenräume als fließende Wohnlandschaft behauptet.
Auch Marohns Fuge lässt an Landschaft denken, wenn auch eher an eine Schlucht. In ihrer Struktur lehnt sich die Arbeit der Form des musikalischen Kompositionsprinzips im Titel an und dem darin angelegten Stilmittel der Imitation und Variation eines vorgestellten Themas. Die Oberflächen der farbigen Wände sind durch Vorsprünge gegliedert und weisen Spuren expressiver bildhauerischer Bearbeitung auf. Gleichzeitig sind sie auch Präsentationsfläche, denn auf ihnen präsentiert die Künstlerin eine Reihe von überwiegend in düsterem Blauschwarz gehaltenen Styropor-Skulpturen, mit organischen Formen und Anleihen am Formenvokabular abstrakter Kleinplastiken der 50er Jahre. Nur sind diese nicht aus Bronze, Speckstein oder Gips gehauen oder gegossen, sondern aus dem krümeligen Leichtkunststoff geschnitten und gekratzt. Teilweise mit knallig-farbigen Farbtupfen versehen, hängen sie vor den Wänden, in handgeformten Strukturen aus dünnem Draht, die Erweiterungen darstellen könnten, aber auch an Käfige erinnern. Die Korridor-Skulptur erscheint wie eine Ich-Erzählung. Aber gleichzeitig stellt sie auch eine Art alternativen Ausstellungsort vor, kein White Cube, sondern ein völlig eigener, höchst ambivalenter Ort. Dieser oszilliert zwischen dem realen Ort der Skulptur und der Darstellung eines imaginären Ortes als Kulisse und stellt so selbst eine irritierend dialektische Reflektion über Kunst an sich und das Ausstellen von Kunst dar. Es liegt im Wesen von Kunst, immer aufs Neue den Rand dessen zu verhandeln, was als normal gilt. Aber erst durch die Überschreitung einer Grenze wird diese sichtbar gemacht und lässt im Umriss ein Bild unserer Welt hervortreten.


English version

The draftsman and architect Silke Marohn, who in recent years has been intensely engaged in painting, combines installation and presentation spaces into jarring and disconcerting spatial situations. These locations are bathed in ambivalence – fluctuating between the imaginary décor of a supposed room and a modeled walk-in sculpture. By employing a wide variety of materials, Silke Marohn modularly integrates individual objects into her scenarios and calls into question the functionality, application, and exhibition space of art.
Peter Heidenwag


Andreas Schlaegel writes about Silke Marohn's work (Back in Town, 2014, Kunsthaus Hamburg): The former draftswoman and architect has
built a bright, psychedelic, walk-in corridor sculpture. It reminds one, not only due to its glowing use of colour, of the legendary fantasy landscape room, Visiona (1972) by the Danish designer, Verner Panton 7, a multifunctional interior which, by using modular elements turned interior spaces into flowing living areas. Marohn’s Fuge also reminds one of a landscape, although in this case, more a chasm. In its structure, the piece owes something to the musicalcomposition element in the title and the inherent stylistic device of imitation and variation of an earlier theme. The coloured walls are divided by projections and reveal signs of expressive sculptural treatment. They function simultaneously as backdrops, against which the artist exhibits a series of mainly dark blue-black polystyrene sculptures, organic forms suggesting the formal language of 1950s abstract small-scale sculptures. Only these are not hewn or cast in bronze, soapstone or plaster, but carved and scratched out of a crumbly, light synthetic material. Partially daubed with gaudy blobs of colour, they hang in front of the walls within handbuilt structures of thin wire which could be extensions, but which are also reminiscent of cages. The corridor sculpture comes across as a narrative in the first person, but it simultaneously suggests an alternative exhibition location, not a white cube, rather an entirely quirky, highly ambivalent space. This space oscillates between the actual location of the sculpture and the depiction of an imaginary place as a backdrop, and thus itself offers an unnerving reflection of art itself and its presentation. It is in the nature of art to be constantly negotiating the boundaries of that which is considered> normal, but only once a boundary has been overstepped does this become visible8 and allow in an outline of our world.